auto.de-Studie: 733 Kfz-Werkstätten im Winterreifen-Preischeck / Reifenwechsel kostet 4 bis 80 Euro / Jede 6. Werkstatt zockt ab

Ramsauers Winterreifenpflicht lässt vereinzelt Preise steigen / Osten günstiger als der Westen / Frankfurt a.M. hat teuerste Werkstatt, München billiger als Mainz

Ungemütliche Zeiten stehen den deutschen Autofahrern ins Haus. Nicht nur, dass Regen, Schnee und Eis das Autofahren in den nächsten Monaten gefährlicher machen. Ab November könnte es auch ausgesprochenen Winterreifen-Muffeln an den Kragen gehen. Die Bundesregierung plant die Einführung einer Winterreifenpflicht. Um die 40 Euro könnten dann laut einem Bericht der Bild-Zeitung fällig werden, wenn man bei Eis und Schnee mit Sommerreifen anrollt. Eines ist dabei jetzt schon klar: Die großen Gewinner werden auf jeden Fall Deutschlands Tausende Kfz-Werkstätten sein. Auf sie findet schon jetzt ein Run statt, wie zahlreiche Werkstätten Deutschlands großem Kfz-Portal auto.de gegenüber bestätigten. Grund genug für auto.de in einer umfangreichen Studie zu klären: Was kostet eigentlich der Reifenwechsel in Deutschland? Hierfür wurde in sechs Wochen in 111 Städten und Gemeinden bei 733 Kfz-Werkstätten untersucht. Diese Studie versteht unter Reifenwechsel das Umstecken der Räder ohne Auswuchten.

Kosten Winterreifen-Wechsel

Um es vorwegzunehmen: Die auto.de-Kfz-Experten sehen einen Radwechsel-Preis von bis zu 20 Euro als akzeptabel an. Werkstätten, die mehr als 20 Euro für das Räder-Umstecken verlangen, entbehrten nach auto.de-Ansicht letztlich betriebswirtschaftlich nachvollziehbaren Kalkulationen. Grund: Räder sind innerhalb von durchschnittlich 20 bis maximal 30 Minuten umgesteckt. Ergebnis von der wahrscheinlich umfangreichsten Reifenwechsel-Studie in Deutschland: Mit bis zu 10 Euro kommt man in Deutschland für den Winterreifenwechsel lediglich bei 6 Prozent der 733 befragten Werkstätten hin. 10 bis 15 Euro verlangen 23 Prozent, 15 bis 20 Euro kassieren 38 Prozent der Werkstätten. Das heißt: Insgesamt kostet der Reifenwechsel bei 67 Prozent der Werkstätten bis 20 Euro. Ein Drittel, genau 32 Prozent, verlangen über 20 Euro. 15 Prozent berechnen gar über 25 Euro. Das ist endgültig die Grenze, wo auto.de sagt: Hier zocken die Kfz-Werkstätten ihre Kunden ab. Hierunter fällt jede 6. Werkstatt.

Besonders tief müssen Autofahrer in Deutschlands „Finanz-Hauptstadt“ in die Tasche greifen. Wer in Frankfurt am Main eine Werkstatt ansteuert, zahlt sowieso schon durchschnittlich 32 Euro – ein Drittel mehr als im Bundesdurchschnitt. Den Vogel schießt dennoch ein Autohaus mit angeschlossener Werkstatt im Frankfurter Gallusviertel ab. Hier soll der Kunde kantige 80 Euro für den Reifenwechsel hinblättern. Das entspricht 20 Euro pro Rad! Vergleicht man diesen Preis mit dem günstigsten Betrieb Deutschlands in Regensburg, welcher vier Euro für den gesamten Radwechsel verlangt, liegen die „Mainhatten-Schrauber“ um das 20-Fache drüber. Bei Werkstatt-Preisen von bis zu 62 Euro in Mainz, 60 Euro in Potsdam (Teuerstes Angebot im Osten), 50 Euro in München oder 42 Euro in Freiburg im Breisgau, raten die auto.de-Experten zum Wechsel der Werkstatt. In diesen Städten geht es mit 10 bis 15 Euro auch viel günstiger (vergleiche große Deutschland-Grafik). Für den Autofahrer der vergleicht, bieten sich hier bis zu 50 Euro Sparpotential oder über 50 Prozent.

Denn: Wie in fast allen Wirtschaftsbereichen lohnen sich Preisvergleiche auch innerhalb der Städte. So gibt es zwischen Frankfurt nördlichstem Stadtteil Niedererlenbach und Frankfurt-Süd auch Werkstätten, die den Reifenwechsel-Job schon für 12 Euro machen. Auch Kunden in einer Regensburger Werkstatt müssen nur 4 Euro für den Winterreifen-Wechsel hinblättern. In Berlin, Dresden, Aachen, Braunschweig, Dortmund, Leipzig, Bonn oder Offenbach a. Main haben die Kunden bei der richtigen Werkstattauswahl auch nur 10 Euro auf dem Kassenzettel stehen. Selbst im teuren München sind 15 Euro laut auto.de durchaus realistisch.

Weitere wichtige Erkenntnisse der umfangreichen Reifenwechsel-Studie: Im Dorf ist es nicht unbedingt günstiger als in der Stadt. So liegt der Durchschnittspreis für den Reifenwechsel in der Stadt bei 21 Euro, in Dörfern bei 18 Euro. Als Beispiele, wo einem die Landlust vergehen kann, können zum Beispiel genannt werden: Altdorf (Baden-Württemberg). Hier sind bis zu 33 Euro für das simple Wechseln von Sommer- auf Winterreifen zu berappen. Im 6.800-Einwohner-Städtchen Rheurdt am Niederrhein stehen 31 Euro auf der Quittung. Ähnlich sieht es in Waldmohr in Rheinland-Pfalz aus. Ein paar Kilometer weiter in Schönenberg-Kübelberg zahlen Kunden nur 18 Euro. Da lohnt sich eine Fahrt nicht nur für den Einkauf im günstigeren Supermarkt im Nachbarörtchen. Das Kfz-Portal auto.de sieht als Gründe für ländliche Preistreiberei teils marktdominierende Stellungen. Allerdings muss der Gerechtigkeit halber angemerkt werden, dass nicht jede Kfz-Werkstatt eine starke Stellung in der Gemeinde ausnutzt, um Mondpreise durchzusetzen. So zahlt man beispielsweise für den Reifen-Wechsel im Örtchen Eppendorf (Sachsen) nur 7 Euro, in Twistetal (Hessen) 9 Euro. Diese Preise sind wiederum sehr niedrig, so auto.de. Grund: Bedenkt man, dass eine Werkstatt maximal zwei Mal im Jahr den Reifenwechsel als Umsatzbringer verbuchen kann und dennoch ganzjährig Kosten für Personal und Betrieb zu begleichen hat.

Kosten Reifen-Lagerung

Ähnlich sieht es mit der Reifen-Einlagerung aus. Hier sagt auto.de: Einlagerungskosten für ein halbes Jahr sind bis zu 25 Euro ok. Alles was über 30 Euro ist, kann ebenfalls als Abzocke angesehen werden. Grund: „Mit der Einlagerung verdienen die Werkstätten richtig Geld. Wenn allein nur 50 Kunden ihre 200 Reifen vor Ort einlagern lassen, würde beispielsweise eine Kölner Werkstatt mit Einlagerungskosten von 69 Euro, bis zum Frühjahr fast 3500 Euro fürs Nichtstun verdienen“, so Thomas Kuwatsch, Manager von auto.de. Besonders ins Gewicht fällt der Umstand, dass die gestapelten Räder nur etwa 0,5 Quadratmeter Platz einnehmen. Zudem, so erfuhren die Tester, stapeln einige Werkstätten nicht 4 sondern 8 Räder übereinander. Im „worst case“ muss der Kfz-Meister also maximal 12,5 Quadratmeter Platz freischaufeln, um die Räder lagern zu können. Für überhöhte Lager-Preise können nach Ansicht von auto.de auch unterschiedliche Gewerbe-Immobilien-Mieten in Deutschland nicht mehr als „Rechtfertigung“ dienen.

Über 30 Euro für die Reifenlagerung verlangen laut der Studie 31 Prozent aller Werkstätten – also fast jede dritte! Besonders dreist: 13 Prozent berechnen gar über 40 Euro für die Reifenlagerung im Halbjahr. So kann zum Beispiel der Autofahrer in Köln „närrische“ 69 Euro Einlagerungsgebühr zahlen. Auch wenige Kilometer rheinabwärts, in Leverkusen unterm Bayer-Kreuz, ist die gleiche Summe fällig. In beiden Städten, so haben die auto.de-Experten herausgefunden, gibt es auch Angebote für 17 oder 28 Euro. Ein Sparpotential von über 50 Euro ist also durchaus möglich. Als Beweis dafür, dass die Kosten für die Lagerung der Reifen nichts mit hohen Gewerbe-Mieten zu tun haben müssen, können Städte dienen, in denen sowieso eher niedrige Mieten bezahlt werden müssen. So zahlen Kunden beispielsweise bis 64 Euro für die Reifenlagerung in Ulm. In Bremen, Aachen, Potsdam oder Duisburg sind ebenfalls bis 60 Euro fällig.

Laut der auto.de-Studie berechnen 5 Prozent aller Werkstätten übrigens nur bis 10 Euro für eine halbjährige Reifeneinlagerung, 8 Prozent sind mit 10 bis 15 Euro dabei, 17 Prozent mit 15 bis 20 Euro und 20 Prozent mit 20 bis 25 Euro. Über 25 Euro berechnet jede 2. Werkstatt.

Dass es preislich auch bei der Reifeneinlagerung günstig geht, zeigen Werkstätten in Cottbus oder in der schwäbischen Metropole Stuttgart mit jeweils 5 Euro. In Legden und in Büsum zahlt man ebenfalls nur 5 Euro bis zum Frühjahr. Billig ist es zudem im Örtchen Eppendorf (Sachsen; 6 Euro) oder in Kraftsdorf (Thüringen; 8 Euro).

Nicht wirklich preiswert ist die Einlagerung von Reifen auch in der deutschen Hauptstadt Berlin. Hier bezahlen Kunden durchschnittlich stolze 34 Euro für die Einlagerung von Reifen. Dennoch geht’s auch da preiswerter – im Test verlangte die günstigste Werkstatt 10 Euro. Nach Bekanntwerden der gesetzlichen Neuregerlung für die Winterreifenpflicht schnellte der Preis plötzlich auf 20 Euro herauf.

Dass die bayrischen Landeshauptstadt München selbst beim Winterreifenservice preisintensiv ist, zeigt der Durchschnittspreis für Reifenlagerung von 40 Euro. Dennoch kann auch am Weißwurst-Äquator Geld gespart werden. Die günstigste Werkstatt im Münchner Stadtteil Maxvorstadt verlangte im auto.de-Test lediglich 14 Euro. Weitere Studien-Erkenntnis: Wie beim Thema Reifenwechsel, so auch bei der Reifenlagerung: Dörfer sind nicht immer billiger als die Städte. Richtig blechen müssen Autofahrer für die Reifenlagerung beispielsweise in Waldsee (Rheinland-Pfalz) mit 50 Euro oder in Ladbergen (NRW) mit 48 Euro.

Kosten Komplettangebote Wechsel & Lagerung

Mit der gesetzlichen Einführung der Winterreifenpflicht wird es nach Einschätzung von auto.de auch einen Run auf sogenannte Komplettangebote geben – also Reifenwechsel & -lagerung in einem Paket. Wer glaubt, hier gäbe es möglicherweise einen Preis-Rabatt, irrt in vielen Fällen. Als Beispiel für eine Kfz-Werkstätten-Abzocke muss leider wieder die Mainmetropole Frankfurt herhalten. Hier verlangt eine besonders dreiste Werkstatt sage und schreibe 130 Euro für Wechsel und Einlagerung. Dabei gibt es in der gleichen Statt andere Werkstätten, die diesen Service für bereits 40 Euro anbieten. Ebenfalls im Preis-Ranking ganz oben dabei ist die brandenburgische Hauptstadt Potsdam. Hier berechnet eine Kfz-Werkstatt 120 Euro. Dabei könnten die vornehmen Potsdamer See-Anreihner auch schon für 35 Euro das Komplett-Paket für Wechsel und Lagerung erhalten. Deftig geht’s zudem in der ZDF-Fernsehstadt Mainz zu. Hier sind in manchen Kfz-Werkstätten bis zu 119 Euro zu entrichten. Dabei ging es in der Stadt der berühmten Karnevalsveranstaltung „Wie es singt und Lacht“ auch billiger: Für Wechsel und Lagerung kann man auch dort Werkstätten finden, die lediglich 39 Euro berechnen.

Klotzig geht’s auch mal wieder im Landkreis der Schickeria-Hochburg München zu. Hier ist übrigens das Durchschnittseinkommen mit 34.469 Euro keinesfalls deutlich höher, als in einigen anderen deutschen Städten. So verfügen beispielsweise die Bürger in Stuttgart, Ingolstadt, Ludwigshafen, Erlangen oder Frankfurt a.M. sogar durchschnittlich über mehr Geld als in München. Das sind Städte, die nicht durchweg immer in den wichtigen Preis-Indizes teurer sind als andere Städte und die auch in der Studie Kosten Reifenwechsel teils günstiger sind als München. Durchschnittlich kosten Wechsel & Lagerung in München 65 Euro. Im Preischeck verlangte die teuerste Werkstatt satte 100 Euro. Doch: Auch im bayerischen Millionendorf können preisbewusste Kunden die gleiche Dienstleistung bereits ab 39 Euro erhalten.

Doch nicht nur wo Glanz & Gloria residieren, flattern einige Geldscheine in die Kassen so mancher Kfz-Werkstatt für simple Dienstleistungen. Auch in der Münsterstadt Ulm können Kunden 89 Euro für Reifenwechsel & Lagerung loswerden. Dabei liegt der günstigste Preis auch hier bei bereits 38 Euro, im Durchschnitt werden 58 Euro berechnet. Damit ist Ulm übrigens teurer als die Metropole Köln (Durchschnittspreis: 53 Euro). Ein hohes Preisniveau gibt es auch in den folgenden Städten: Frankfurt a.M. (Durchschnitt 74 Euro), Potsdam (59) sowie Mainz mit 77 Euro. Damit verfügt Mainz unter den 60 größten deutschen Städten über den höchsten Durchschnittspreis. Die teuersten Werkstätten für „Wechsel & Lagerung“ sind übrigens in Frankfurt a.M. (130 Euro), gefolgt von Potsdam (120) sowie Mainz (119). Teuer ist es auch in Berlin mit einem Durchschnittspreis von 56 Euro, wobei die teuerste Kfz-Werkstatt deftige 78 Euro verlangt! Sparfüchse sind in Cottbus gut aufgehoben. Hier kostet der komplette Service lediglich 15 Euro in einer Werkstatt. In Koblenz, Dortmund und Ingolstadt sind in den günstigsten Fällen auch nur 20 Euro zu bezahlen.

Ost-West-Gefälle

Was die auto.de-Studie eindeutig belegt, ist ein Ost-West-Gefälle bei den Preisen für Reifenwechsel & Lagerung. So zahlen die Sachsen oder Sachsen-Anhalter durchschnittlich 37 Euro für den Reifenwechsel samt saisonaler Lagerung, in Thüringen werden 38 Euro berechnet, in Mecklenburg 39 Euro, in Brandenburg 41 Euro. Zu den teuersten Bundesländern gehören Hessen (57), Berlin (56 Euro), Bremen (54), Hamburg (53) und Bayern (51). Das Preisniveau in Berlin steht in krassen Gegensatz zur hohen Anzahl der Arbeitslosen und Hartz IV-Empfänger (18 Prozent). Günstigstes „altes Bundesland“ ist Niedersachsen mit durchschnittlich 44 Euro. Auto.de-Manager Thomas Kuwatsch empfiehlt auf Grund der hohen Preisdifferenzen, stets zuerst die Preise zu vergleichen, und erst dann die Pneus wechseln zu lassen.

Anstieg der Kfz-Preise seit Bekanntwerden der Winterreifenpflicht

Übrigens: Die künftige Winterreifenpflicht schlägt sich bereits teils in höheren Preisen nieder. Da die meisten auto.de-Preischeck-Anrufe im September stattfanden, die Ankündigung zur Winterreifen-Pflicht durch den Bundesverkehrsminister Peter Raumsauer (CSU) Anfang Oktober publik wurde, machte auto.de bei einigen Werkstätten wiederholte Preis-Kontrollanrufe. Ergebnis: Bei einigen war plötzlich ein deutlicher Preisanstieg zu verzeichnen, teils bis 18 Prozent – beispielsweise in Frankfurt a.M. In Osnabrück stieg der Preis innerhalb von 14 Tagen in einer

Werkstatt von 11 auf 15 Euro. Ebenso in Cottbus. Hier verlangt man nun 18 Euro anstatt 11. In einer Stuttgarter Werkstatt sollten die Tester plötzlich 23,80 für den Wechsel zahlen. 14 Tage vorher waren es noch 20 Euro. Selbst auf dem Land wirft die mögliche Winterreifenpflicht ihre Schatten voraus: In Großbettlingen wurde der ursprünglich angegebene Preis für einen Reifenwechsel von 14,90 Euro auf 30,30 Euro hochgeschraubt. Auch in Frankfurt a.M. schnellte der Preis für den Reifenwechsel plötzlich von 60 auf 80 Euro hoch.

 

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